Das Leidissoo Moor liegt im Nordwesten Estlands etwa 60 km südwestlich der Hauptstadt Tallinn. Es handelt sich um ein saures, teilweise mit Hochmoorwald bedecktes Übergangsmoor mit kleineren Niedermoorflächen und Hochmoorlinsen. Das gesamte Gebiet weist Torfschichten auf und ist eingebettet in zwei weitere hydrologisch unabhängige Moorkomplexe Sendrissoo und Mändrissoo, die sich in einem guten natürlichen Zustand befinden. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das insgesamt 8.200 ha große Leidissoo Moor für die Nutzung als Futter-Heuwiesen teilweise entwässert. Das an das östlich vom Leidissoo Moor angrenzende Flusssystem wurde begradigt und kanalisiert, um Wasser aus den Entwässerungsgräben aufzunehmen. Vor Beginn der Restaurierungsarbeiten waren ca. 1.700 ha direkt von der Entwässerung betroffen und ca. 4.000 ha indirekt.

Projektgebiet im Leidissoo Moor (rot: Entwässerungsgräben, die verschlossen wurden)

2022 hat PlanBe mit seinen Partnern vereinbart, dass auf einer Fläche von 811 ha Wiedervernässungsmaßnahmen durchgeführt werden. Das Moor ist Teil eines EU-Natura-2.000-Schutzgebiets und fällt damit unter die Vorschriften des estnischen Naturschutzgesetzes. Das streng geschützte Leidissoo Gebiet ist estnisches Staatsland, das von der Estnischen Staatsforstgesellschaft (Riigimetsa Majandamise Keskus – RMK) verwaltet wird. Durch das Schließen der Entwässerungsgräben wird den Wasserspiegel angehoben und somit die weitere Torfreduktion und die Treibhausgasemissionen gestoppt. Die im Sommer 2024 abgeschlossene technische Planung sieht vor, dass Gräben mit einer Gesamtlänge von fast 100 km mit mehr als 500 Dämme verschlossen werden. Im Sommer 2025 wurden die Arbeiten mit einer Auftaktveranstaltung im RMK Nõva Center begonnen und im Dezember 2025 abgeschlossen.

Berechnungen zur Minderung von Treibhausgasemissionen durch die Wiedervernässungsmaß-nahmen auf den 811 ha entwässerten Flächen in Leidissoo wurden von der Universität Tallinn durchgeführt. Diese ergaben ein jährliches Potential von ca. 7.000 t CO2 Äq. und berücksichtigen die Verbesserung und Stabilisierung des Moorwasserspiegels durch die Wiedervernässungsmaßnahmen auf einer insgesamt betroffenen Fläche von 4.000-5.000 ha.

Lebensraumtypen und Standorte der Logger zur Wasserstandsüberwachung im Projektgebiet
Zusammensetzung der (Moos-)Arten und Bedeckungsgrad (Parzellen von 0,25×0,25 m, 1×1 m, 2×2 m, 10×10 m)

Zur Überwachung des Wasserstands wurden von Prof. Ilomets, Universität Tallinn, im Juli 2023 10 automatische Logger verteilt über das gesamte Projektgebiet, 2 weitere im April 2024 an der Nordgrenze des Projektgeländes sowie 5 weitere in der Nähe ausgewählter Gräben installiert. Am stärksten entwässert sind die Lebensraumtypen „entwässerter Moorwald“ und „junger/spärlich entwässerter Moorwald“. Die anderen acht Typen sind entwässert, aber nicht so stark von der Entwässerung betroffen wie die ersten beiden Lebensraumtypen. Um die ersten 12 Logger wurden permanente Parzellen von 10 x 10 m angelegt, um mittels Lebensraumtypen Pflanzenbedeckungsanalyse zu bestimmen.
Nachdem dem Verschluss der Gräben wird sich der natürliche Wasserhaushalt des Moores wieder einstellen. Der Anstieg des Wasserstands wird im Rahmen des langfristig angelegten Monitorings mithilfe der von PlanBe bereitgestellten Logger gemessen. Mit dem Anstieg des Wasserstands werden sich die CO2-Emissionen vermindern. Zugleich wird sich die durch die Jahrzehnte lange Trockenlegung bedingte Dezimierung der Tier- und Pflanzenwelt erholen und damit die Biodiversivität gefördert.

Projekte wie dieses im Leidissoo Moor sind wichtige Beispiele für die europaweite Ausweitung der Moorwiedervernässung. PlanBe und die Succow Stiftung leisten dabei Pionierarbeit, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Insbesondere für moorreiche Länder wie die baltischen Staaten, die über hunderttausende Hektar trockengelegter Moore verfügen sind, kann eine solche Zusammenarbeit ein Modell sein.

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Quellen: RMK / PlanBe






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