Seit 1992, dem Jahr des Abschlusses der Klimarahmenkonvention in Rio, ist bekannt, dass die Menschheit das Klima in gefährlicher Weise aufheizt, wenn sie die CO2-Emissionen nicht kontinuierlich senkt. Tatsächlich aber haben die CO2-Emissionen weltweit zugenommen, von jährlich 22 Mrd. t 1990 auf aktuell 42 Mrd. t, obwohl schon damals bekannt war, dass die Erwärmung unter 2 Grad gehalten werden muss, um zu vermeiden, dass das Klima vollends kippt. Wenn das passiert, treten Rückkopplungseffekte auf wie das Auftauen der Permafrostböden, das Abschmelzen des Eises in Grönland und an den Polen, Dürren im Amazonas-Regenwald usw. Durch das Erreichen dieser Kipp-Punkte würde sich die Klimaüberhitzung selbst verstärken und zu abrupten Klimaänderungen mit einer völligen Destabilisierung der gesamten Biosphäre führen. Die Folgen für das Leben auf der Erde wären desaströs!

„Es geht um Brot und um Trinkwasser. Die chaotischen Wetterverhältnisse werden die Landwirtschaft immer stärker beeinträchtigen. Hunderte von Millionen Menschen könnten ab Mitte dieses Jahrhunderts deshalb Hunger leiden.“ (Klaus Wiegand: Wir brauchen 200 Mio. ha mehr Wald, in: moneta 1-2018, S. 6-7)

Nach dem Sonderbericht des Weltklimarats (IPCC) vom Oktober 2018 beträgt das der Weltgemeinschaft zur Verfügung stehende Restbudget an CO2-Emissionen Anfang 2018 1.070 Mrd. t (2 Grad-Ziel) bzw. 420 Mrd. t (1,5 Grad-Ziel). Aktuell betragen die jährlichen CO2-Emissionen 42 Mrd. t. Bei unverändertem CO2-Ausstoß ist das Budget also in 24 Jahren (2043, 2-Grad-Ziel) bzw. in 8,5 Jahren (2028, 1,5 Grad-Ziel) verbraucht. Die CO2-Uhr des MCC zählt die verbleibende Zeit unerbittlicher herunter.

Selbst bei einem Szenario, bei dem die Erwärmung lediglich unter 1,75 Grad gehalten wird, ist schnelles Handeln gefragt. Nach Berechnungen von Prof. Stefan Rahmstorf vom  Potsdam Institut für Klimafolgenforschung steht der Bundesrepublik Deutschland zur Erreichung dieses Ziels ein Restbudget von insgesamt 7,3 Mrd. t CO2 zu (gemessen am Anteil an der Weltbevölkerung von 1,1 %). Dies wäre, selbst bei der Annahme einer linearen Emissionsminderung von jährlich 6 %, 2036 aufgebraucht. Um das 1,75 Grad-Ziel zu halten, dürfte danach kein CO2 mehr emittiert werden.

Grün: Emissionen bis 2018 nach Zahlen des Umweltbundesamtes (für 2018 wurde derselbe Wert wie 2017 veranschlagt; tatsächlich ist der CO2-Ausstoß 2018 wegen des warmen Winterwetters um 4,2 Prozent gesunken). Blau: exemplarische lineare Emissionsminderung, die einem fairen Beitrag Deutschlands zu den Paris-Zielen entsprechen könnte. [1 Gigatonne = 1 Mrd. t]
Grafik: Prof. Stefan Rahmstorf, Creative Commons BY-SA 4.0.

Solche Szenarien erscheinen unter den real existierenden politischen Bedingungen völlig unrealistisch.* MaiLab und Rezo haben es auf den Punkt gebracht. Das sieht auch der Weltklimarat und empfiehlt deshalb „negative Emissionen“. Er meint damit insbesondere die Aufforstung und Verbesserung der CO2-Speicherung in Wäldern und die Wiederherstellung von trocken gelegten Mooren.

Moore sind nach den Weltmeeren die größten CO2-Speicher, obwohl sie weltweit nur 3 % der Landfläche (in Deutschland 4,2 %, rd. 1,8 Mio. ha) bedecken. Ein großer Teil der Moore wurde von den Menschen trocken gelegt (in Deutschland 95 %), wodurch sie von CO2-Speichern zu CO2-Emittenten wurden. Eine Wiederherstellung der Moore würde diesen Effekt wieder umkehren und die CO2-Emissionen kurzfristig beenden.

Die Wälder weltweit binden noch einmal etwa die Hälfte der in Mooren gebundenen Menge an CO2. Durch den Stopp der globalen Entwaldung, eine nachhaltige, naturnahe Forstwirtschaft und großflächige Aufforstungen insbesondere in tropischen Regionen können schnell große Mengen an CO2 gebunden bzw. deren Freisetzung unterbunden werden.


* Höhne/Emmrich/Fekete/Kuramochi: 1,5°C: Was Deutschland tun muss. NewClimate Institute, Köln/Berlin März 2019